| Contra Dance - gestern und heute
Kontratanz, Kontertanz, Contredanse, Country Dance - der Contra Dance hat weit in die Vergangenheit reichende, verzweigte Wurzeln in Frankreich, den Niederlanden und England. Bis ins 15. Jahrhundert müssen wir zurückschauen, um im Nebel der Geschichte den sagenhaften Morris Dance, die französischen und englischen Kirchentänze, die niederländischen Reihentänze zu erkennen, aus denen sich Spielarten wie der English Longway, das Menuett, der Contredanse francaise, die Quadrille oder der Country Dance bildeten.
Während der sich entwickelnde Country Dance im angelsächsischen Raum sehr beliebt war, hatte er im Deutschland des 18. und 19. Jahrhunderts als Kontertanz nur geringe Bedeutung, obwohl Komponisten wie Haydn, Mozart und Beethoven zahlreiche Kontratänze für die höfische und bürgerliche Gesellschaft schrieben. Allzu schnell geriet er bei uns in Vergessenheit.
Ganz anders verlief die Entwicklung in den Besiedlungsgebieten Nord-Amerikas. Hier bildete sich aus den importierten Fragmenten europäischer Tänze eine Form des Contra Dance, die bis heute lebendig ist. So wie die verwandten Volkstanzformen des Country- and Western Dance, des Square Dance und des Round Dance ist der Contra Dance ein Tanz nach Ansage.
Am Kopf der Tanzreihe steht der Caller (Ausrufer), beim Contra Dance auch Prompter genannt. Er ruft den Tänzern während des Tanzes die Figuren in Erinnerung. Dabei achtet er darauf, die nächste Figur so anzusagen, dass sie mit Beendigung des Kommandos prompt getanzt werden kann. So entsteht aus den einzelnen Figuren und -sequenzen ein lebhafter, fließender Tanz, der sich innig an die Musik anschmiegt.
Die Hauptformation des Contra Dance sind Tanzpaare, die sich in parallelen Reihen gegenüberstehen. Der Tanz besteht aus einer Folge von Figuren, die als Sequenz zusammengefasst im Verlauf des Tanzes mehrfach wiederholt werden. Die Tänzer bilden Gruppen von zwei oder drei Paaren, die eine Figurensequenz gemeinsam tanzen. Danach wechseln die Paare in neue Gruppen, so dass am Ende des Tanzes jeder die Chance hatte, mit jedem zu tanzen.
Der zeitgenössische Contra Dance wird in weiten Gebieten der USA, vorwiegend in den Neu-England-Staaten gepflegt. In Europa finden wir ihn vor allem in England, Dänemark, Belgien und den Niederlanden. In Deutschland fristet er eher ein Schattendasein neben dem weiter verbreiteten Square Dance. Für den Berliner und Brandenburger Raum wurde der Contra Dance durch die Tanzgruppe A.C.T.S. im Jahr 1999 wiederentdeckt und seitdem regelmäßig getanzt.
Um den Contra Dance zu erlernen sind keine Vorkenntnisse erforderlich. Lediglich der Spaß am gemeinsamen Tanzerlebnis und die Freude an der Musik mit vorwiegend irischem und schottischem Ursprung sind ausreichend um hineinzuschnuppern und einzutauchen in eine Harmonie aus Melodie, Rhythmus und Bewegung.
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